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„Befragt auch eure Großeltern“
AUGENZEUGIN Orna Birnbach aus Israel zu Gast im Oldenburger
Münsterland
DIE 80-JÄHRIGE JÜDIN BERICHTET ÜBER IHRE ERLEBNISSE WÄHREND DER
NS-ZEIT. SIE VERSTEHT SICH DABEI ALS „SPRACHROHR DER TOTEN“.
VON THOMAS GRIMME
CLOPPENBURG - „Ich will leben. Ich will raus von hier!“. Dieser
unbedingte Lebenswille war es, der Orna Birnbach während ihrer
Gefangenschaft im Konzentrationslager (KZ) half zu überleben. Ihre
Erfahrungen während der NS-Zeit schilderte die 80-jährige Jüdin am
Mittwoch vor rund 120 Schülern der Haupt- und Realschule Leharstraße
im Ratssaal des Rathauses Cloppenburg.
Bereits zum 13. Mal ist die aus Polen stammende Birnbach im
Oldenburger Münsterland zu Gast, um als „Sprachrohr für die Toten“
von den schrecklichen Erlebnissen ihrer Kindheit unter der Diktatur
der Nationalsozialisten zu erzählen.
Den ersten Kontakt gab es bei einem
Besuch im KZ Bergen-Belsen mit Maria Ostendorf von der
christlich-jüdischen Gesellschaft. Von dem Moment an berichtet
Birnbach Erwachsenen und Schülern von den Anfängen 1939, als
deutsche Truppen den Besitz ihrer Familie beschlagnahmten und Juden
zum Tragen des Judensterns gezwungen wurden.
Die Stationen ihres Leidensweges führten
sie und ihre Eltern unter anderem ins KZ-Plaszow, welches durch den
brutalen Kommandanten Amon Göth bekannt ist. Zu sehen ist er unter
anderem im Film 'Schindlers Liste' von Steven Spielberg, den
Birnbach den Zuhörern ans Herz legte. Über eine weitere Station im
KZ Auschwitz-Birkenau, wo sie Augenzeugin der Ermordung ihres
Vetters wurde, endet ihre Leidensgeschichte mit ihrer Befreiung aus
dem KZ Bergen-Belsen durch die Alliierten. „Ich wog nur noch 32
Kilo“, schilderte Birnbach den gebannten Zuhörern. Nach dem Krieg
wanderte sie über Frankreich ins damalige Palästina, dem heutigen
Israel, aus. „Befragt auch eure Großeltern“, so die Aufforderung
Birnbachs an die Schüler. Denn es gebe immer weniger Zeitzeugen. Um
dieses schwierige Kapitel deutscher Geschichte jedoch nicht in
Vergessenheit geraten zu lassen, sei es wichtig, die Erfahrung der
älteren Generationen aufzunehmen und weiter zu geben.
Die Schüler brauchten nach den Schilderungen eine Weile, um Fragen
zu formulieren, die Birnbach nach ihrem Vortrag bereitwillig
beantwortete. Organisiert wurde der Besuch wieder von der
christlich-jüdischen Gesellschaft. Finanziell unterstützt die
Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ aus Berlin und die
Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) die Deutschland-Besuche der heute in
Tel Aviv lebenden Birnbach. |