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Orna Birnbach zu Besuch im Rathaus am 17.09.2008  

 

  „Befragt auch eure Großeltern“
AUGENZEUGIN Orna Birnbach aus Israel zu Gast im Oldenburger Münsterland

DIE 80-JÄHRIGE JÜDIN BERICHTET ÜBER IHRE ERLEBNISSE WÄHREND DER NS-ZEIT. SIE VERSTEHT SICH DABEI ALS „SPRACHROHR DER TOTEN“.

VON THOMAS GRIMME


CLOPPENBURG - „Ich will leben. Ich will raus von hier!“. Dieser unbedingte Lebenswille war es, der Orna Birnbach während ihrer Gefangenschaft im Konzentrationslager (KZ) half zu überleben. Ihre Erfahrungen während der NS-Zeit schilderte die 80-jährige Jüdin am Mittwoch vor rund 120 Schülern der Haupt- und Realschule Leharstraße im Ratssaal des Rathauses Cloppenburg.

Bereits zum 13. Mal ist die aus Polen stammende Birnbach im Oldenburger Münsterland zu Gast, um als „Sprachrohr für die Toten“ von den schrecklichen Erlebnissen ihrer Kindheit unter der Diktatur der Nationalsozialisten zu erzählen.

Den ersten Kontakt gab es bei einem Besuch im KZ Bergen-Belsen mit Maria Ostendorf von der christlich-jüdischen Gesellschaft. Von dem Moment an berichtet Birnbach Erwachsenen und Schülern von den Anfängen 1939, als deutsche Truppen den Besitz ihrer Familie beschlagnahmten und Juden zum Tragen des Judensterns gezwungen wurden.

Die Stationen ihres Leidensweges führten sie und ihre Eltern unter anderem ins KZ-Plaszow, welches durch den brutalen Kommandanten Amon Göth bekannt ist. Zu sehen ist er unter anderem im Film 'Schindlers Liste' von Steven Spielberg, den Birnbach den Zuhörern ans Herz legte. Über eine weitere Station im KZ Auschwitz-Birkenau, wo sie Augenzeugin der Ermordung ihres Vetters wurde, endet ihre Leidensgeschichte mit ihrer Befreiung aus
dem KZ Bergen-Belsen durch die Alliierten. „Ich wog nur noch 32 Kilo“, schilderte Birnbach den gebannten Zuhörern. Nach dem Krieg wanderte sie über Frankreich ins damalige Palästina, dem heutigen Israel, aus. „Befragt auch eure Großeltern“, so die Aufforderung Birnbachs an die Schüler. Denn es gebe immer weniger Zeitzeugen. Um dieses schwierige Kapitel deutscher Geschichte jedoch nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, sei es wichtig, die Erfahrung der älteren Generationen aufzunehmen und weiter zu geben.

Die Schüler brauchten nach den Schilderungen eine Weile, um Fragen zu formulieren, die Birnbach nach ihrem Vortrag bereitwillig beantwortete. Organisiert wurde der Besuch wieder von der christlich-jüdischen Gesellschaft. Finanziell unterstützt die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ aus Berlin und die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) die Deutschland-Besuche der heute in Tel Aviv lebenden Birnbach.

 
 
 
 
 
 
Links zum Thema: NWZ: (26.08.2008)

NWZ: (18.09.2008)

 
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